SCHIFFSKATALOG | WEISS
8-teilige Bilderserie, 2004–2006
Warum heißt die Arbeit „Schiffskatalog“?
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Vorstellung der jungen Helden in Homers „Ilias“ am Anfang des zweiten Gesangs, genannt „Schiffskatalog“ Der „Schiffskatalog“ beschreibt nicht nur die einzelnen Helden in ihrer glanzvollen Erscheinung, sondern auch deren Herkunft, Begabungen und soziale Beziehungen und damit ein Ethos, eine ganzheitliche Lebenswelt, die zugleich Ausblick gibt auf ihr Schicksal.
Was ist in der Arbeit „Schiffskatalog“ zu sehen?
Die großformatige 8-teilige Fotoinstallation zeigt junge Helden heute: Kinder, selbstvergessen auf der Schwelle zur Sexualität und junge Männer bei Initiationsriten, maskuline Identitätssuche – Szenen eines kollektiven Unbewussten. Alle Darsteller befinden sich in einem weißen, klinischen Raum.
Was ist das Thema ihrer Arbeit?
Das Thema der Arbeit ist Initiation als Grundbedingung von Gemeinschaftsbildung. Initiation für die Griechen bedeutet idealerweise ein ritualisiertes Eintreten in die Regeln einer Gesellschaft durch momentanes Aufheben eben dieser und damit ein Eintauchen in die Bestialität, um so den Wert der Gemeinschaft kenntlich zu machen. Beim Fehlen von gesellschaftlich begleiteten Initiationsriten sucht sich die bestialische Energie regellose Arenen und findet ihr Ventil z. B. im Machtmissbrauch gegenüber Schutzbefohlenen, in Form von psychologischer Erniedrigung und körperlicher Gewalt. Auch sind Initiations- und Schwellenrituale notwendig für die Wahrnehmung und Differenzierung der einzelnen Lebens- und Alterszyklen, ihren jeweiligen Bedürfnissen und Anforderungen.




