QUARTETT
nach Heiner Müller
Theaterinszenierung, 2022
Landestheater Tübingen
Regie und Bühne
Brigitte Maria Mayer
QUARTETT erzählt von einander durchdringender Liebe und Hass und der Abgründigkeit menschlichen Begehrens, von der endemischen Lust am Missbrauch. Marquise de Merteuil und ihr ehemaliger Geliebter, Vicomte de Valmont, treffen in einer exzessiven After Hour in Zeiten der Pandemie ein letztes Mal aufeinander. Beide gehören zu der von Dekadenz und Langeweile geplagten reichen Oberschicht, die sich in rhetorisch geschliffenen Wortduellen und sexuellen Intrigen ergeht, sich an der Verführung Minderjähriger ergötzt: Merteuil fordert Valmont heraus, ihre Nichte Volanges zu entjungfern, er überlegt, die First Lady, Madame de Tourvel, zu entehren.
Ein Spiel im Spiel entsteht und im Verlauf übernehmen die beiden sämtliche Rollen: Valmont spielt sich und die von ihm begehrte Tourvel, die Marquise spielt Valmont und ihre Nichte Volanges. Zwischen den Zeilen immer auch verhandelt: Ihre abgründige, missbräuchliche Beziehung zueinander. Geschickt stellt die Inszenierung die Frage nach den Werten der Aufklärung und ihrem Fortdauern.