JESUS CRIES
Spielfilm, 2015
71 Minuten
Regie: Brigitte Maria Mayer
Uraufgeführt beim Festival de Cine de Bogotá, Kolumbien, 24.10.2015
Deutschland Premiere: Volksbühne Berlin, Karfreitag 2016
In den Hauptrollen:
Sabin Tambrea, Ulrich Brandhoff, Emily Cox, Jannik Schümann, Christian Sengewald
Filmmusik: Brandt Brauer Frick
Gott ist Fleisch geworden und stirbt. Der Gipfel des christlichen Gründungsmythos ist ein gefolterter und getöteter Gott. JESUS CRIES erzählt das ganze Ende dieser Geschichte: die Anklage, die Inhaftierung, die Folter, den Tod Jesu, eine Geschichte, deren Episoden überall bekannt sind: das Abendmahl, der Ölberg, der Judaskuss, die Verleugnung durch Petrus, Jesu' Festnahme, die Kreuzigung.
Die Ereignisse werden antizipiert, erzählt, geträumt, in Erinnerung gebracht. Und auch was sonst noch geschieht, wird gezeigt. Was machen die Jünger als Jesus ins Gefängnis geworfen wird? Als er verspottet und gequält wird? Was empfinden sie, als er gekreuzigt wird? Was sagen sie sich in den furchtbaren Tagen, die auf seinen Tod folgen? Der Film zeigt uns das Schicksal, die Irrwege, den Glauben der Jünger; er führt uns in den Kreis der Apostel, die nicht wissen, wie die Geschichte enden wird. Von einer Krise zur anderen und bis zur äußerten Katastrophe, dem Kreuzestod, sehen wir uns neben Petrus, Judas, Barnabas, Magdalena, Johannes und dem todkranken Lazarus. Verängstigt, untröstlich, resigniert, ihren Hoffnungen hingegeben, voller Liebe und voller Wut, streiten sich die Apostel, zerfleischen sich gegenseitig, umarmen sich, gründen eine Kirche, zweifeln und verzweifeln. Gott ist tot. Wer das ernst nimmt, muss seinen Glauben selbst erfinden, sich sein eigenes Christentum schaffen. Genau das zeigt und tut dieser neue Film von Brigitte Maria Mayer. Sie kommt dabei ohne alle klassischen Attribute des Bibelfilms aus. Weder Toga noch Sandalen geben dem Film seine Atmosphäre. Die Folterer Jesu' haben eine kalte Schönheit, sind raffiniert, schlank, tragen luxuriöse Anzüge, sind perfekt frisiert und rasiert. Ihre Eleganz gleicht der des Traders oder des Metrosexuellen, der auf dem Laufsteg defiliert, während nebenan der Bürgerkrieg stattfindet. Nur Jesus ist schöner.